Warum Hochzeit?

Warum heiraten?

Als akademischer Theologe und Religionswissenschaftler kann ich das Thema ja mall so halb sachlich, halb persönlich aufrollen. Jedenfalls sollte sich ein Trauredner schon so seine Gedanken gemacht haben, was man da eigentlich tut, nicht wahr? Hoch interessant ist es allemal, was wir Menschen da machen.

Was ist überhaupt eine Hochzeit?

Eine freie Trauung ist letztlich eine Form der Hochzeit, klar. Und damit ein rituelles Fest, das nicht ohne Grund in vielen (wenn nicht allen) Kulturen auf verschiedenste Art und Weise seit tausenden von Jahren gefeiert wird. Was steckt dahinter, dass wir Menschen rituelle Handlungen und Feiern abhalten?

Rituell bedeutet hier jetzt: Wir Menschen brauchen etwas, mit dem wir Emotionen und nicht-materielle Dinge, die uns ausmachen, begreifbar machen können. Wenn wir dafür Symbole finden, dann können wir darüber sprechen und uns damit beschäftigen. Es ist nun einmal ein himmelweiter Unterschied, ob ich meinem Kind sage, dass ich es lieb habe, oder es in den Arm nehmen, wenn es das braucht. Da passiert in der Neurologie und der Seele etwas anderes. Das gleiche Prinzip gilt für Riten und Feste.

Eine Hochzeit ist im Prinzip so ein Symbol, eine Handlung, die mit Riten und Symbolen gespickt ist. Spezielle Kleidung, Musik, Dekoration, symbolische Handlungen (Einmarsch, Ringtausch usw.) und einem Zeremoniell, Feierlichkeit, Umtrunk usw. Auch wenn die wenigsten von sich behaupten, religiös zu sein: Aber hallo! Mehr Ritus geht nicht. Und das ist auch gut so! Denn es ist schlichtweg menschlich!

Gut ist es, weil es mit positiven Erwartungen verbunden ist. Und wo wären wir Menschen, wenn wir diese nicht hervorheben oder beachten würden? Wir möchten auf etwas hoffen, etwas glauben. Dieser positiven Erwartung möchten wir durch Taten Ausdruck verleihen und – der eine mehr, der andere weniger – positiv beeinflussen, indem wir dafür ein rituelles Fest abhalten.

Wir Menschen ticken so in jedem Bereich. Von der persönlichen Ritualität eines Trainingsplans über große Sportevents bis hin zur privaten Hochzeit.

Hochzeit: Gute Idee!

Unabhängig von der kulturellen Idee einer Familie ist es ein ur-gutes Gefühl für Menschen, eine verbindliche Gruppe anderer um sich zu haben, die Schutz und Geborgensein bieten. Zu zweit ist man stärker.

Deshalb glaube ich an Familie. Und mit Familie meine ich die verbindliche und bewusste Gemeinschaft von Menschen, die sich zueinander beziehungslos loyal verhalten. Das ist für mich das Entscheidende. Und eine Heirat ist eine Entscheidung vor Zeugen (verbindlich), die auf eine positive Zukunft und Sicherheit hofft, so eine loyale Gemeinschaft zu sein. Man möchte das ja!

Aus persönlicher Sicht habe ich den Eindruck, dass sich das Verlangen danach steigert. Heißt: Es heiraten mehr Menschen, Verbindlichkeit wird nicht mehr automatisch mit Unfreiheit gleichgesetzt. Es wird bewusster geheiratet. Vielleicht auch, weil ich und meine Generation der 80er Kinder zu guten Teilen Scheidungskinder sind, die vielleicht wissen, wie es besser geht und wie schön das wäre. Unsere Eltern, geschweige denn Großeltern nach oder während des Krieges, konnten sich nicht so frei entwickeln und Partner aussuchen wie wir heute.

Wir haben heute die Möglichkeit absolut bewusst, entschieden und frei zu heiraten. Auch frei von religiösen Systemen, deren Weltbild wir nicht teilen und mit einer gesunden Portion Egoismus. Denn eine Hochzeit ist ein total intimes und privates Ereignis. Dadurch entfällt jedes Recht einer anderen Institution, darüber zu urteilen. Die Idee einer Hochzeit ist also immer zu befürworten, sofern sie auf Verbindlichkeit abzielt.

Familie

Wir Menschen brauchen Familie – in welcher Form auch immer – und das Gefühl von verbindlicher Zugehörigkeit.

An der Stelle könnte man Psychologen und Soziologen befragen. Es wäre spannend die Wirkung von Verbindlicher Zugehörigkeit weit zu besprechen. Seht mir bitte nach, dass ich nur hier aus der Warte des Kulturanthropologen, der Religionsphilosophie und Praxis sowie der persönlichen Empfindung sprechen kann.

Für mich ist meine Familie, meine Frau und meine Beziehung zu ihr und meinen Kindern, das größte Glück der Welt.

Wenn ich Leute treffe, die sich auch auf diesen Weg begeben möchten und ich dabei mithelfen kann, ein würdiges rituelles Zeremoniell dafür zu gestalten, dann bin ich doch dabei. Denn sowohl als Mensch als auch als einer vom Fach finde ich Heiraten eine absolut super Sache!

Bei mehr Interesse zum Thema oder wenn Ihr vielleicht heiraten möchtet, meldet Euch gerne bei mir!