Warum freie Trauungen, Marco?
28. April 2016

Wie ich die Redekunst zur Hochzeit verstehe.

Reden, professionelles Reden, ist für mich auch immer eine Kunstform. So wie jeder anders malen oder musizieren würde, so redet auch jeder anders. Wer gelernt hat, sein Reden so zu steuern, dass es anderen zur Freude und emotionalen Erfahrungen verhilft, der ist ein Wortkünstler, ein Redner. Ich würde sagen, so jemand spricht über emotional fassbare Darstellungen von Menschen und ihre Facetten. Man macht dabei für andere sichtbar und nachvollziehbar warum die beiden heiraten möchten. Das ist letztlich, was ich tue. Ich stelle dar, bespreche Bestehendes – die Liebe, die gemeinsame Identität, die Idee der Familie und die Zukunft. Ich gehe ein kleine Stück mit, ermutige und lobe das. Ich finde die Ideen Familie und Ehe so gut, dass ich nicht anders kann. Es gibt nichts Wichtigeres auf der Welt als Familie.

Ich male also sozusagen ein Bild – wie früher im Mittelalter. Man engagiert mich, um sich als Paar und Familie festzuhalten, das mit einer bestimmten Perspektive zu zeigen. Maler interpretierten Personen und Geschehnisse in bestimmter Art und Weise und stellen sie dann in bestimmten Farben oder Szenen dar. Genau das mache ich individuell mit Worten für jedes Paar. Ich liebe es, Leute kennen zu lernen und sie zu beobachten, ihre Facetten zu erschließen. Ich suche das Besondere an Ihnen und versuche dann, dies aus meiner Wahrnehmung anderen zu zeigen.

Ich mache also eine Art Performance-Kunst, die völlig individuell und einmalig ist. Die dabei (hoffentlich) erzeugten schönen Emotionen kann man so nicht mehr reproduzieren – das ist einmalig. Diese halbe Stunde, diese Zeremonie – das ist so persönlich und echt, dass man das einfach mit Feingefühl und Würde erfassen, darstellen und so mit anderen teilen und feiern muss. Wenn die Gäste bzw. das Publikum dieses Wortgemälde dann erleben, stimmen sie hoffentlich mit ein in die gute Laune, dass dieses Paar jetzt gefeiert werden muss und die ganze Geschichte mit den beiden eine richtig gute Idee ist.

Man merkt also, ich gehe an meine Reden nicht klassisch oder rein rhetorisch heran. Es muss auch bei mir knistern. Manchmal macht es sicherlich Sinn, ganz einfach die Geschichte des Paares mal Revue passieren zu lassen und Schlaglichter der Gemeinsamkeit darzustellen. Aber oft gibt es auch anderes, dass man eben entdeckt, wenn man sich die Mühe macht. Oft ist das der Grund, warum Paare sich bei mir melden. Sie fühlen, dass sie und ihre Liebe mehr wert sind und etwas Besonderes brauchen.

Als Theologe sehe ich nicht, was es Besseres gäbe. Ich bin davon überzeugt, dass Ehe und Familie Unterstützung und positive Impulse erhalten sollten. Ich glaube daran, dass sichere Familien eine Gesellschaft positiv beeinflussen oder sogar tragen können. Wenn wir Ehe fördern und ordentlich damit umgehen, sie also auch bewusst und würdig abfeiern bis es alle Welt weiß – dann geht es uns allen besser. Die meisten haben nach einer schönen Trauung Lust aufs Leben und darauf, mit anderen Freude zu empfinden. Darum geht es mir. Das jeden Tag zu haben, das ist Familie.